Buch: STICKWORT FRONT
Adolf Görtz
26.06.1942
Seite: 248
Oberleutnant Bruse hat eine Rede gehalten, die werde ich im Leben wohl niemals vergessen:
"Männer, ihr braucht keine Angst zu haben! Wir müssen in dieser letzten, großen
Offensive, die vor uns liegt, nur eine einzige Aufgabe erfüllen: Wir müssen marschieren, marschieren, marschieren!
Der Russe ist erledigt, restlos fertig. Den Rest werden ihm nun unsere Geheimwaffe geben! Unsere Preßluftwerfer, die
im Umkreis von dreihundert Metern alles vernichten. So werden sie ausgelöscht, vom Erdboden vertilgt. Also, Männer,
ihr braucht nur vorwärts zu stürmen, braucht weiter nichts zu tun, als die toten Russen zu zählen. Vorwärts
nach Woronesh und weiter nach Moskau! Nachher werden wir alle wieder zusammenkommen, so, wie wir hier auseinandergehen. Und
sollte es doch den einen oder anderen treffen, nun, er spürt nichts davon. Also, Männer, Soldaten - Hals- und Bauchschuß!
Alles für Deutschland! Alles für unseren geliebten Führer!"
Nachher sagte mir
Pohlmann, daß er auf seinem Wagen Holzkreuze hat. Fix und fertig, aus russischer Birke. "Und die Namen?" fragte
ich. "Sind die Namen auch schon drauf?"
"Blödmann! Hast doch gehört, was
der Oberleutnant gesagt hat."
"Der kann mir erzählen, im Himmel ist Jahrmarkt. Überleg
doch: Wpui doe Lreiue wenn wir nachher alle wieder zusammenkommen?"
"Mensch, hast doch gehört,
was was der Alte . . . "
"Eben", antworte ich, "eben deshalb, weil er's gesagt hat." Aber das
hat Pohlmann wohl nicht verstanden. Doch mehr konnte ich nicht sagen. Vielleicht - habe ich schon zuviel geplappert? Denn:
Kann ich ihm trauen? Nein, trauen kann man keinem. Dem Oberleutnant nicht - weil er lügen muß, den Kameraden nicht
- weil sie alles glauben, glauben wollen, um sich daran zu klammern, wie an einem Strohhalm.